Wenn die grüne Stunde schlägt.

Liebes Land Nr. 7/Juli 2011 (Stefanie Zenke)

Eine Katze, die das Mausen Lässt?

Ein Truthahnpaar, das Gänseküken adoptiert?

Im Tal der alten Mühle von Jürgen Rösner und Jürgen Papenfuß ist vieles möglich.

Das Begrüßungskonzert ist beeindruckend: Wiehern, Quaken, Schnattern, Bellen und Tschilpen. Die Tiere, die im Tal der alten Oelmühle bei Solingen leben, mögen offenbar jeden Besucher, der den schmalen Kiesweg zum Wohnhaus hinunterfährt. Am Gartentor steht Jürgen Rösner und ruft: "Herzlich willkommen!".
Er freut sich sichtlich über Gäste.

Rösner und sein Partner Jürgen Papenfuß, beide Landschaftarchitekten, haben die ehemalige Rapsmühle in ein Paradies mit fünf Hektar Fläche verwandelt.
Das Idyll umfasst einen riesigen Garten und einen Teich. Zur Wohn- und Hausgemeinschaft gehören hundert Tiere.

Alles begann vor 42 Jahren, es muss wahre Liebe gewesen sein. "Ich stand vor diesem Haus und wusste: Das ist es", sagt Jürgen Rösner. Allerdings war die Mühle aus dem Jahr 1685 total heruntergekommen. Ein Dach? Fahlanzeige. "Man konnte im Haus den Himmel sehen", erinnert sich Rösner. Dicht gepflanzte Pappeln sorgten für düstere Stimmung und verdeckten das zerfallene Gesicht des Gebäudes. Davor stapelten sich rostige Autowracks. Innerhalb eines Jahres brachten die beiden Männer alles auf Vordermann. Sie Fällten die Bäume, restaurierten das Fachwerk, strichen die Fensterläden grün und legten einen großzügigen Garten an. Auf den saftigen Weiden, die sie nach und nach dazukauften, grasen heute Ponys, Esel und Schafe einträchtig nebeneinander.

Von der ersten Stunde angehörten Hunde und Schildkröten zu den tierischen Mitbewohnern. "Wer in so einer Landschaft lebt, kommt ohne Tiere nicht aus", sagt Rösner. Damit erfüllte er sich seinen Traum: Tiere züchten und ihnen ein behütetes Zuhause geben. "Ich war schon als kleiner Junge versessen darauf". Seine größte Leidenschaft ist die Zucht von Irischen Wolfshunden und Deerhounds. "Das sind gutmütige und gehorsame Rassen, die viel Freude machen", schwärmt der 65- Jährige.

Auch Queen Mum, die britische Königinmutter, teilte die Passion für die Riesenhunde. Als sie noch lebte, nahm sie in Berlin die letzte Parade ihrer bärenfellbemützten "Irish Guards" ab, zu der auch Rösner und Papenfuß eingeladen waren. Das Maskottchen der Guards, ein Irischer Wolfshund, durfte wegen strenger Quarantänevorschriften nicht nach Größbritannien zurückkehren. Seine englische Züchterin entschied sich für die Oelmühle als neues Zuhause. Queen Mum war einverstanden.

Während Rösner die Anekdote erzählt, wirft er Aluminiumkugeln in den Teich. Ein Schwarm feuerroter Kois taucht erschrocken ab. Die Kuglen funkeln in der Sonne, sie solten einen hartnäckigen Fischreiher davon abhalten, hier für ein Mittagessen zu rasten. Andere Gäste sind gern gesehen, etwa der selten gewordene Eisvogel, die Bachstelze oder der Dompfaff.

Neben Rösner wirft sich Katzendame Marmor ins Gras. Das Tier wälzt sich und guckt neugierig hinüber zu einem Huhn mit dicken Federpuscheln an den Füßen, ein sogenanntes Cochin. Anpirschen? Fauchen? Keine Sput. Marmor bleibt entspannt liegen. Unter den Tieren geht es offensichtlich harmonisch zu.

Das gehört zu den unerklärlichen Dingen im Tal der Oelmühle. Das Truthahnpaar des Hauses macht es vor. Es schreitet gemächlich über den Rasen, dicht gefolgt von einer Schar aufgeregter Gänseküken. Die Truthühner haben die kleinen ausgebrütet und adoptiert. Über so viel tierische Nächstenliebe staunt selbst der erfahrene Tiervater.

Jürgen Rösner und Jürgen Papenfuß sind gefragte Garten- und Landschaftsarchitekten. Bei ihrem eigenen Garten was ihnen eines wichtig: Auch im Winter soll es grün sein. Daher pflanzten sie 70 Buchsbäume, die inzwischen fast bis an den Fachfirst reichen. Für ihre Kunden klügeln sie gerne alles bis ins letzte Detail aus. Sogar Rock-Sängerin Tina Turner beauftragte die "beiden Jürgens", wie sie das Duo nannte, mit zwei Gärten: Einen in ihrer ehemaligen Wahlheimat Köln und einen im südfranzösischen Villefranche.

Beim eigenen Stück Land "darf es ein wenig planloser zugehen uns muss nicht so perfekt sein", sagt Rösner. Ein paar Gänseblümchen zieren dan Rasen, hier und da sprießt Unkraut. Die Farne, Hainbuchen und Eichen sind erwünscht, Wein rankt an der Südseite des Hauses empor. Im Frühling sind es Hunderte in Kübeln gepflanzte Tulpen, die miteinander wetteifern. Wenige Wochen später blühen Iris und Rosen in kräftigen Farben. Die sommerblühende Magnolie strahlt bis in den August hinein.

Wenn die Tiere versorgt sind, der Trubel im Büro vorbei ist, genießen Rösner und Papenfuß im Pavillon neben dem Haus gerne ein Glas Wein. Sie lieben es, so Rösner, "wenn im Sommer am späten Nachmittag die grüne Stunde schlägt." Dann setzt die Sonne das satte Grün von Wiesen und Bäumen so richtig in Szene.


 

 

In diesen Momenten spürt der gebürtige Wuppertaler den kleinen Wundern der Natur nach und macht sich bewusst, was sie im Tal der Oelmühle alles geschaffen haben.

"Es ist ein Geschenk, so leben zu dürfen".

 

Gärten und große Hunde
Jürgen Papenfuß und Jürgen Rösner
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