Bauer & Edelknabe

Sie Gehören zu den giganten der Hundewelt. Legenden ranken sich um ihren stammbaum.
Der mächtige Irische Wolfshund und der Elegante, Schottische Hirschhund stammen von den
Keltischen Windhunden ab, deren spuren bis in das siebte Jahrtausend vor Christus reichen.

 

Die Edelknaben: Zehn Monate alte Schottische Hirschhunde in vollem Galopp. Für die Deerhounds typisch ist der gestreckte, weit ausholende Windhundgang. Cypress will schneller sein als Cassis, versucht sie abzudrängen. Beide sind jetzt gut 65 zentimeter hoch und werden in den nächtsten zwei Monaten noch etwas eine Handbreit wachsen.

Der Bauer:

Quando von der Oelmühle, genannt John ist anderthalb. Für einen Irischen Wolfshund hat er zu helle Augen, sagt sein Züchter Jürgen Rösner. Nicht bernsteinfarben, sondern dunkelbraun ist das Schönheitsideal. Der Haarpuschel über den Augen, das sogenannte "Furnishing", ist, wie es sein soll.
Quando von der Oelmühle     

 

 

 

Sein gefährte Iceman,  zeigt typische Merkmale des Irish Wolfhound: Er ist  größer und kräftiger als der Hirschhund und hat statt des spitzen windhundkopfs einen imposanten Schädel

 

 

 

 

 

Iceman von der Oelmühle
     


"Schottische hirschhunde werden schon als greise geboren, Irische wolfshunde dagegen bleiben immer jugendlich", sagen die einen. Andere sehen es umgekehrt: "Hirschhunde sind verspielter und intelligenter, ihre besitzer eher menschen, die sich nur ungern anpassen.:

Noch hat der sechs Tage alte Irische Wolfshundwelpe die Augen geschlossen. In zehn Tagen werden sie sich öffnen. Elf Monate später wird er seine endgültige Widerristhöhe von zirka 80 Zentimetern erreicht haben, mit anderthalb Jahren ist er dann ausgewachsen. Bis dahin darf er nicht zu sehr strapaziert werden, denn die schnell wachsenden Knochen, Sehnen und Muskeln sind noch weich.
Beim Fressen achtet Züchter Jürgen Rösner darauf, ob die Welpen gerade auf ihren Beinen stehen. Zeigen sich X-Beine oder andere Schiefstellungen, verordnet er leichtere Kost. Wichtig bei Wolfshunden wie bei allen großen Hunderassen ist, dass sie schlank gehalten werden.

 

Sieben wochen alte Welpen: Ein Wurf kann bis zu neun Hundekinder umfassen. Noch werden die Kleinen gesäugt. Doch um die Mutter zu schonen, wird von Anfang an zugefüttert.

   

Supergirl fegt rein wir ein wirbelwind. "Beachten Sie sie nicht", bittet Karin Winchenbach. Die Irische Wolfshündin ist sieben Monate alt und soll erzogen werden: "Platz!"und "Bleib!" und "Nicht die Gäste mit haut und Haaren verschlingen!". "Seit einem halben Jahr", sagt Karin Winchenbach, "haven wir keinen Besuch mehr eingeladen". Sie hat vor dem dunkelbrauen Nichts-als-Beine-undMaul-Schlacks, groß wie ein Shetlandpony auf Stelzen, gewarnt. Unnötig. Supergirl ist eine Wucht, Frölichkeit in Tüten. Und ihr Frauchen eine begeisterte Ausstellerin.

Baccarat, Karin Winchenbachs vorherige Hündin, war "Multi-Schönheitschampion". Sie hat älles geholt, was zu holen ist". Ihre silbernen und goldenen Pokale schmücken den "Altar" im Wohnzimmer, in dem es ein couchgroßes Hundebett gibt und außerdem auf jedem Sofa eine Hundedecke liegt. Supergirl stammt vom gleichen Urgroßvater wie Baccarat ab: Zeno von der Oelmühle, ein berühmter Rüde, Europasieger, internationale Sieger, Weltsieger. Sein in einer amerikanischen Tierklinik konserviertes Gefriesperma zeugt noch immer Nachkommen. Mit Supergirl möchte Karin Winchenbach Baccarats Karriere fortsetzen. Am Ostersamtag wird sie zum ersten Mal auf den Catwalk geschickt. In Hoope bei Bremen findet eine Jahresausstellung des Windhundverbandes statt, auf der auch Irische Wolfshunde gezeigt werden.

Dass die zotteligen Irischen Wolfshunde mit dem mächtigen Kopf zu den Windhunden gehören, würden die wenigsten vermuten. Schuld ist die missverständliche Übersetzung des Begriffs Sighthound. Nicht das anliegende kurze Fell ist typisch für die Gruppe, sondern die Hetzjagd auf Sicht (sight). Deutlich wird die Zugehörigkeit auch, wenn man seinen nahen Verwandten betrachtet, den schmaleren Schottischen Hirschhund mit dem Windhundkopf. Auch Jürgen Rösner fährt nach Hoope. Er will Sambo, einen Irisch Wolfhound, und Rudi, einen Schottish Deerhounds, ausstellen. Seit über 30 Jahren züchtet er mit Partner Jürgen Papenfuß die beiden verwandten Hunderassen. Ihren Zwinger haben sie nach der alten Oelmühle in Solingen benannt, in der sie leben: ein Idyll mit übermannshohen Buchshainen, in denen sommerblühende Magnolia sieboldii wachsen, mit weiten Wiesen, auf denen die Hunde rennen. Die beiden sind Profis. Sie haben an gut 900 Ausstellungen teilgenommen, auch in Irland, England, Skandinavien und den USA. Acht Wolfshunde und vier Hirschhunde leben bei ihnen wie in einem Minigest"t: Jeder had seine box, jeder seinen Auslauf.

Auf dem weiten, Grünen Feld in Hoope glänzt eine Siedlung aus Campingwagen und Großraumlimousinen. Im Hintergrund knattern Geräusche vom Motorcross herüber, das nebenan stattfindet. Vier Ausstellungsringe, groß wie Tennisplätze, sind mit Flatterband abgesteckt. Jeder ist von Zeltlingen, Steckscirmen, Campingstühlen und gewaschenen Decken gesäumt. Alles wirkt lässig und fast elegant, was weniger an den Menschen als den Hunden liegt, Imposante graue Gestelten, die lagern oder flanieren. Ire und Schotte: "Für den Laien sind sie kaum zu unterscheiden. Aber auf der Jahresausstellung in Hoope kan man sein Augeschulen. 14 Wolfshunde sind gemeldet, 86 Hirschhunde. Da wirken die Gesetze der Mangenlehre: Wo viele sind, sortieren sich die typischen Merkmalen. "Jeder Anfänger sollte diese Veranstaltungen nutzen", sagt Jürgen Rösner. Hier trifft man die ernsthaften Züchter und lernt, Qualität zu erkennen, am schnellsten über die Schönhetismakel: Ringelschwänze, Rücken gerade wie ein Brett und Fell wie Flaum sind verpönt. Für Rösner verhalten sich Schotte und Ire zueinander wie "Bauer und Edelknabe". Bauer ist der Irische Wolf. Er ist größer, kräftiger, imposanter, und bei alledem sehr lieb: "Wenn jemand einen großen Hund haben möchter, gibt es keinen netteren. Ëdelknabe Deerhound ist intelligenter, verspielter, robuster und lebt erwat länger. Trotzdem ist er wenig populär. Ihm fehlt der "Steiftier, ich hab dich lieb". Effekt. Bei bestimmtem Licht, in bestimmten Situationen wirken die Hunde, als Kämen sie aus der Macbe6thschen Hexenszene. Die Läufe dünn und hoch, die Brust breit, der Kopf raibvpge;artog l;eom. das grauzottige Fell wie von Spinnweben überzogen. Ihnen haftet etwas Urzeitliches an. Wie der Hund, so das Herrchen: "Deerhhoundfans sind Menschen, die sich nie anpassen werden", sagt Jürgen Rösner.

 

Iron von der Oelmühle im Sprung: So wie der drei Jahre alte Wolfshundrüde aussieht, könnte er gleich auf eine Ausstellung gehen. Sein Fell wird nür gebürstet, an Hals und Ohren, viellicht auch an der Rute Leicht korrigiert.Das Gehänge, das sind die Ohren, soll frei sein, das Fell dort Mäuseartig kurz und glatt. Das gibt dem mächtigen Schädel eine sportlichere Note.

 

 

Seit über 30 Johren züchtet Jürgen Rösner, hier mit dem Irischen Wolfshund Shadow und dem Schottischen Hirschhund Belladonna, beide sechs Monate alt.

   

Irische Wolfshunde dagegen haben das Gemütsplus. Schon im Mittelalter gehörten sie mit dem "Verstand eines Menschen"zu den Gaben, die Fürsten und Könige mit Vorliebe untereinander austauschten. Die Schenkerei nahm solche Ausmaße an, dass die Hunde rar wurden. Unter dem Lordprotektor Oliver Cromwell (1599 bis 1658) verbot man ihre Ausfuhr. doch das half nichts mehr: Ende des 17. Jahrhunderts war das Reisenmaskottchen beinahe ausgestorben. Erst zur Zeit der industriellen Rovolution, einer Epoche, in der sich erfolgreiche Unternehmer mit altem aristokratischem Glanz veredelten, begann ein gewisser Captain George Augustus Graham, die legendäre Hunderasse zu rekonstruieren. In die wenigen Überlebenden Exemplare kreuzte er Deutsche Doggen für Größe und Tibet-Mastiffs für Kampbereitschaft ein. Auch Schottische Hirschhunde wurden zur Wiederherstellung der alten irischen Rasse verwendet. In 20 Jahren Arbeit schuf Graham das Ideal eines wehrfaften, schnellen Giganten. Es was die Zeit, in der sich Parkbesitzer untereinander Samen des soeben entdeckten. Mammutbaums zuschickten, wie der Irische Wolfshund Wahrzeichen einer Epoche, die ein Faible für Großes hatte. Der Riesenwuchs hat Konsequenzen: Beide Rassen werden nicht sehr alt. Viel hängt von der richtigen Ernähaltige Nahrung, also Fleisch, vorsichtig dosiert werden, damit die Knochen nicht zu schnell wachsen. Nach dem Fressen müssen die Hunde, auch ältere, ruhen. Rennen könnte dann nämlich Magendrehungen provozieren, was für alle sehr großen Hunde gilt. Bis sie anderthalb Jahre alt sind, dürfen sie nur vorsichtig belastet werden. (Keine ehrgeizigen Spaziergänge, bevor sie drie Monaten alt sind!). Knochen, Sehnen und Muskeln sind weich, wenn man zehn Zentimeter pro Monat wächst. Zu Schutz-, Wach- oder Rettungshunden lassen sich weder Schotte noch Ire abrichten.

Ihre große Gestalt birgt ein gefühlvolles Herz, das scharfer Dressur nicht standhält, und ein fleichmut, an dem jeder Drill abprallt. ein Vergnügen für sie sind Coursing"Rennen, die auf freiem Feld stattfinden. Immer zu zweit hetzen Iren oder Schotten einem Haken schlagende Kunsthasen hinderher. Bewertet wird bei Meisterschaften außer Geschwindigkeit die Intelligenz, Emsigkeit und Technik, mit der sie, sich gegenseitig anspornend oder Fluchtwege abdeckend, die Beute stellen. Erst ab anderthalb dürfen sie an offiziellen Coursings teilnehmen, die häufig mit Ausstelungen verbunden sind, so wie am folgende Tag in Hoope. Viele Hundebsitzer bleiben für das Rennen über Nacht. Deshalb die Wagenburg, deshalb die gelassene Atmosphäre.

Entscheidungen sind gefallen.  Sambo, Rösners zweijährige Wolfshund, gewinnt den CAC, die Anwartschaft auf das Schönheitschampionat, der erste Schritt zu glanz und Ehren. Rudi, der Deerhound, mit sieben Jahren des älteste im Ring und Längst mehrfacher internationaler Champion, macht nur Platz drei. Die englische Richterin bevorzugt leichter gebaute Deerhounds mit schmalerer Brust und vogelartigem Kopf. Rösner nimmt es gelassen. er war selbst oft Richter, Rudi hat alles, was auf die Schönheidsliste gehört"perfect geschwungene Hals- und Rückenlinie, gute Brusttiee, korrekte Winkelung von vorder- und Hinterhand, geschlossene Phote, kleines Ohr, dunkles Auge. Nächste Ostern wird Rudi in der Veteranenklasse antreten. Rösner überlegt, ob er sein Sperma einfrieren Lässt. "Lohnen würde es sich.". auch Supergirl had die erste Ausstellung Überstanden. sie ist noch zu schlacksig, wie jeder Backfisch. Im Mai wird Winchenbach sie zum ersten Mal ein Coursing laufen lassen. Nichts Offizielles, nur eine kurze Strecke zum Warmwerden, im Hoisdorfer Verein bei Hamburg. Wie alles Enthusiasten sind Hundeleute viel underwegs.

 

 

Kontrast: die dunkle Belladonna und der helle Samson. Man erkennt die Rassestandards der Schotten, den langen Hals und spitzen Fang. Die Ohren: Scottisch Deerhounds sollten typische Windhund, Rosenohren haben, nach hinter gefaltet und gelegt, so dass sie schnittig aussehen. Hier sind sie allerdings wie zwei Dachschindeln nach unter geklappt, ein typisches Zeichen für Neugier.
Das Auge hat genau die Farbe, die ein Schönheitschampion haben solt: Tiefbraun wie Zuckerrübensirup.
Das Fell verrát den Jagdhund, Es ist allwetterlauglich und Pflegeleicht. muss allerdings einmal in der Woche gebürstet werden. Die Besonderheit, Auch wenn es overflächlich klitschnass ist, bleibt das Tier darunter trocken. Ebenfalls zu sehen, die gute Brustiefe, die in Ellbogenhöhe abschließt.

 

     

Dogs, Juli-August 2007
Text: Siv-Oriane Saxien Fotos: Heiner Orth

 

Steckbrief Irish Wolfhound


Geschichte
Als Vorfahren gelten im ersten Jahrhundert nach Christus von irischen Kelten gezüchtete Windhunde, sogenannte Cu-Chulain (Calanhunde). Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 391. Der erste Rassespezialklub wurde 1885 gegründet.

Klassifikation
Gruppe 10: Windhunde, Sektion 2: Rauhaarige Windhunde: ohne Arbeidsprüfung (laut FCI)


Verwendung
Begleit- und Familienhund

Grösse
Schulterhöhe 71 bis 86 cm, Rüden 79 bis 95 cm.

Gewicht
40,5 bis ca. 65 Kilo, Rüden 54,5 bis ca. 85 kilo.

Fell
Rau, drahtig

Fellpflege
Wöchentlich bursten. Nur die Ohren rupfen, sie sollen nicht behangen sein.

Farbe
Einfarbig grau, gestromt, rot, schwarz, reinweiß, rehbraun. Ein weißer Brustfleck, weißeZehen und eine kleine weiße Rutenspitze sind erlaubt.

Preis
1500 bis 2000 Euro

Haltungskosten
80 bis 120 Euro im Monat für Futter. Tierarztkosten können bei den großen Hunden entsprechend der Medikamentenmenge erheblich sein.

Voraussetzung für die Haltung
Großer Garten, viel Bewegungsmöglichkeiten, großes Auto, eine Wohnung, die ohne Treppen zugänglich ist.

Anfälligkeiten
Herzkrankheiten, Krebs, vor allem Knochenkrebs, Magendrehung.

Lebenserwartung
6 bis 8 Jahre.

Organisation
Für die Betreuung der Irish Wolfhounds ist in Deutschland der DWZRV zuständig: Deutscher Windhundzucht- und Rennverband, Hildesheimerstr. 26. 31185 Söhlde.

Rassebeauftragte
Doris Laubis, Unterstadt 15, 72401 Haigerloch, Tel. 074-74-65 55 und 01 62-908 93 09